2 Februar, 2010
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Die Pyrenäen-Tour 2000


Irgendwann im Spätjahr '99, als die Erinnerungen an die Mallorca-Tour verblaßten, wurde es Zeit, sich etwas auszusuchen, worauf man sich die restliche, trostlose, motorradarme Zeit des Winters freuen konnte. Irgendwann im November '99 fiel die Wahl irgendwie auf die Pyrenäen, warum weiß ich heute auch nicht mehr so genau. Ursprünglich als Zwei-Mann-Unternehmen und Camping-Tour geplant, bin ich dann doch alleine aufgebrochen und hab in Hotels und Pensionen übernachtet, nachdem mein potentieller Mitfahrer wegen Urlaubssperre flachfiel...  

Hier ein paar Navigationspunkte:

Karlsruhe-Perpignan | Villefranche | Sonnenofen Odeillo|Abbaye de Canigou | SchluchtenBurgen |Andorra Route des Corniches Spanien|Col de Tourmalet |

Am 22. Mai sollte es losgehen, da wars nur zu günstig, daß sich meine super HiTech Membranjacke am Vortag auf der Strecke von Mannheim nach Karlsruhe zu meinen Eltern als nicht mehr dicht erwies. Bei dem miesen Wetter also Regenjacke besorgt und die Abfahrt um einen Tag auf 23. Mai verlegt. Aber Dann:   

23.Mai 2000

   
Buchtipp
Buchtipp !
Herrlich sonniges, nicht zu warmes Wetter, traumhaft, gänsehautmäßig. Tagesziel war Bourg-en-Bresse, ca. 550 km von Karlsruhe weg. Bis zur Grenze bei Breisach gings die langweilige Dosenbahn lang, in Breisach nochmal Fahrer und Mopped mit Brennstoff aufgefüllt und weiter gings ab da nur noch auf der Landstraße.
Auf der N 415 Ri. Colmar, hier auf die D 417 Ri. Wintzenheim - Munster - Col de la Schlucht - Gerardmer. Als ich Col de la Schlucht überfahre, ist es ca. 1 Uhr mittags, also kaum einer dort unterwegs. Ich laß mir den kühlen Wind um die Nase wehen, genieße die Kurven und, soweit es diese zulassen, den Blick hinab in die Rheinebene. Der Rest der Strecke nach der kurzen Vogesenüberquerung als Highlight ist fahrerisch relativ witzlos, deshalb hier nur eine Aufzählung der Zwischenpunkte, vielleicht kanns einer als Vorschlag gebrauchen:   D 417 - Gerardmer - Remiremont - N 57 (E 23) - Plombieres - Luxeuil les Bains - Vesoul - Besancon - N 83 - Lons le Saunier - Bourg-en-Bresse.
   
Insgesamt hab ich für die Strecke Karlsruhe -> Bourg-en-Bresse brutto ca. 10 Stunden gebraucht, außer dem Tanken und zwischendurch ein Mahl bei McDonalds waren recht wenige Pausen dabei. In Bourg-en-Bresse eine Übernachtung in einem der kuscheligen Formel1-Hotels, das ich schon vom letzten Jahr, der Mallorca-Tour, kannte. Man findet es, wenn man immer Ri. Genf/ Grenoble zunächst aus Bourg-en-Bresse rausfährt, ca. 5-8 Km nach Ortsende versteckt es sich hinter einer scharfen Abfahrt rechts.   Formel1 Hotelkette
24.Mai    
Etappenziel des zweiten Tages war Perpignan oder weiter in die Pyrenäen hinein, je nach Tagesform. Wetter genau richtig zum Moppedfahren, um ca. 9:00 Uhr gings los.  
N 75 - Ri. Grenoble - unterwegs Morestel - Evrieu - Voiron - N 92 - Ri. Valence. Kurz vor Valence und zur Umfahrung gibt es, soweit ich mich erinnern kann, kostenlos ein Autobahnstück.  
Die Strecke bis dahin ist ganz nett, aber weder fahrtechnisch noch landschaftlich ein besonderer Brüller. Richtig schön wirds dann aber hinter Valence, wenn man in Richtung Montpellier nicht die N 7 nimmt über Montelimar, Orange, Avignon, Arles, sondern rechts abbiegt Ri. Aubenas und Ales. Man durchfährt dann nämlich das Ardeche-Tal, das wirklich sehenswert ist. Als ich durch bin, gabs da kaum Verkehr, so daß ich die weitgeschwungenen Kurven auf sehr guter Fahrbahn für mich allein hatte. Die Gesamtfahrzeit wird natürlich duch diesen Schlenker etwas verlängert, aber es lohnt sich auf jeden Fall.  
Der Rest ist schnell erzählt, von Montpellier auf der N 113 Ri. Beziers, Narbonne, Perpignan.    
Irgendwo hinter Montpellier hatte ich mit den deutschen Betreibern des Biker-Paradise telefoniert und angefragt, ob die ne Unterkunft für mich hätten. Das Biker-Paradise ist eine Untekunft für Biker, die aus einem Haupthaus mit zwei oder drei Appartments besteht plus einem eigenen Zeltplatz. Das ganze ist einfach traumhaft gelegen in den ansteigenden Pyrenäen, genauer im Vallespir, der Ort heißt Llauro. Es ist unter Insidern bekannt, war auch schon mit sehr positiver Beurteilung im "Tourenfahrer" vorgestellt worden. Daher empfiehlt sich die Reservierung sehr frühzeitig, die Appartments werden teilweise schon im Vorjahr gebucht. Wie man hinkommt: Von Perpignan auf der N 9 Ri. Le Boulou, in Le Boulou oder kurz dahinter rechts ab Ri. Ceret, und in Ceret wieder rechts ab (ausgeschildert) Ri. Llauro. In Ceret die zweite Abfahrt Ri. Llauro nehmen, nicht die erste, die ebenfalls ausgeschildert ist, die ist zwar auch schön, aber sehr eng, teilweise ist Schrittgeschwindigkeit angesagt.   Bikers Paradise
Leider hatten die für mich "nur" noch ein Zelt übrig, und so hab ich mich nach einer netten Unterhaltung mit den Eltern der Betreiber wieder aufgemacht, um mir ein festes Bett zu suchen. Mittlerweile wars nämlich so ca. 21:00 Uhr und ich somit rund 12 Stunden unterwegs und einigermaßen platt. Kurz hinter LeBoulou in Ri. Perpignan fand ich dann auch ein billiges Trucker-Hotel und sank nach einem Abendessen voller Vorfreude auf die Pyrenäen in die Kissen.  
25.-28. Mai    
Nächsten Tages so um 10 Uhr morgens völlig enthusiastisch aufs Mopped und abgetaucht in die Pyrenäen auf der N 116 zwischen Perpignan und Andorra, natürlich in Richtung Andorra. Es ist eine sehr schöne Strecke mit meist gutem bis sehr gutem Belag, leider ist es halt auch die Ost-West-Hauptverbindung und so zumindest tagsüber auch stark befahren; aber die eine oder andere Überholmöglichkeit gibt's auch :-))).
Erstes schönes Fleckchen dort ist Villefranche de Conflent, ein Städtchen aus dem elften Jahrhundert, das heute noch komplett innerhalb seiner starken Befestigungsmauern steht, von außen vermutet man zunächst gar keine Stadt darin..
 
Von Villefranche aus geht es auch in zur Abbaye de St. Martin de Canigou, einer heute als Kloster betriebenen Abtei ebenfalls aus dem elften Jahrhundert. Später mehr dazu...  
Die N116 beginnt sich kurz hinter Villefranche nach oben zu schrauben und das Ganze wird kurvenmäßig immer interessanter, leider durch langsamen PKW-Verkehr oft auch enger. Ich bin einfach immer weiter gefahren bis zum Col de la Perche in knapp 1600 m Höhe und hab mir in La Cabanasse eine Unterkunft für die nächsten paar Tage gesucht. Die Gegend da ist im Winter Skigebiet und die Preise auch außerhalb der Skisaison entsprechend. Für ein 1-Zimmer-Appartment mit Bad und Küche hab ich 200 FF/ Tag hingelegt; die eigene Küche war aber schon praktisch...  
Odeillo  

Übrigens befindet sich im nahegelegenen Dörfchen Odeillo ein riesiger Parabolspiegel, der Sonnenofen von Odeillo, der zu wissenschaftlichen Zwecken dort errichtet wurde.Ein paar weitergehende Infos zu deiesem Ofen gibt es hier

 
Die nächsten drei oder vier Tage hab ich mich dann in der Gegend nördlich des Massifs de Canigou, des heiligen Berges der Katalanen herumgetrieben. Es gibt da einen Haufen Burgen, Schlösser, Klöster und sonstige sehenswerte Sachen. Die Zufahrten dorthin sind landschaftlich und für uns Mopped-Fahrer sehr reizvoll, teilweise kommt man aber recht langsam voran, also nicht zuviel Programm pro Tag vornehmen, lieber weniger und dafür den Rest der Nase nach gestalten und genug Zeit fürs Fahren übriglassen...
Abbaye de St. Martin de Canigou    
Ein Highlight dieser Gegend ist die schon oben erwähnte Abbaye de St. Martin de Canigou. Man kommt dorthin über Villefranche, am Kreisel Richtung Vernet-les-Bains und irgendwann ist es dann ausgeschildert. Trotzdem hab ich mich beim ersten Mal verfahren und bin an einem sehr schön gelegenen Camping-Platz rausgekommen. Man muß einfach in das Dorf hinter Vernet reinfahren und an einer Kneipe geht dann ein schmaler Weg rechts ab, ein kleines, leicht zu übersehendes Schild weist die Richtung. Das Mopped stellt man auf einem Parkplatz weiter vorne ab und läuft dann zu Fuß ca. 10 Minuten zurück. Der Weg an sich nach oben ist heftig. Ich habe ca. 40 Minuten gebraucht, die Steigung beträgt schätzungsweise ca. 20 % und oben war ich einfach alle, aber : ich würds jedesmal wieder tun. Die Aussicht auf dieses Kloster ist einfach genial, ich hatte auch noch Glück mit dem Wetter und so bot sich mir ein Postkartenblick.  
 
Eine schöne Rundfahrt für einen Tagestrip ist auch folgende Strecke:
Von der N116 bei Mont Louis auf die D 118 in Richtung Norden. Die Landschaft da ist etwas karg, aber dafür ist es Moppedtechnisch ziemlich gut ausgebaut, schöne, übersichtliche Kurven. Im Verlauf kommen da ein paar Schluchten und Haltepunkte mit schöner Aussicht. Teilweise muß man im ersten Gang mit Schrittgeschwindigkeit an der Felswand entlangfahren, Vorsicht vor Gegenverkehr !!
 
Nach den Schluchten biegt man hinter Axat auf die N 117 ab und kann die beiden bekanntesten Burgruinen dieser Gegend anschauen: Chateau de Peyrepertuse und Chateau de Queribus. Ich hab aus Zeitmangel nur die erstere besucht, die zweite soll noch toller sein. Die Zufahrt zur Peyrepertuse ist ziemlich klasse, sehr gewunden, griffiger Belag, allerdings recht schmale Straße. Ich war ganz froh, auf einer handlichen Transalp zu sitzen und fühlte mich schon als Held da hochzfahren, bis ich oben ankam und die ca. 8 Maschinen dort stehen sah: eine YZF 1000 Thunderace und der Rest Harley der Gewichtsklasse 300 kg aufwärts. Respekt, extra !  
   
Nachmittags gegen 17:00 Uhr hab ich mich dann wieder auf den Weg zurück ins Hotel gemacht, der Himmel sah da nämlich recht dunkel aus und ich wollte nicht im Regen die Bergstrecke hochfahren. Die N 117 verläßt man in Estagel, biegt im Ort auf die D 612 ab (langsam fahren und Augen auf, leicht zu verfehlen, im Ort nach rechts unten abfallende Kurve) und kommt dann wieder auf der N 116 Richtung Andorra raus. Ab Villefranche bis oben am Hotel hat mich dann doch der Regen erwischt und es war das erste Mal, daß ich mich auf dem Mopped richtig mulmig gefühlt hab, die Piste hat sich nach der Trockenheit nämlich in eine seifige Rutschbahn verwandelt, teilweise drehte das Rad im zweiten Gang durch. Also Vorsicht da oben bei Nässe !!  
Andorra    
Motorradmäßig traumhaft war die Strecke nach Andorra und an Andorra vorbei die N 20 nach Norden Richtung Foix.  

Die Straßen sind sehr gut ausgebaut, Belag ist sehr griffig, alles erste Sahne. Sprit ist dort wie vieles andere auch wesentlich billiger, so ca. 40 % unter den französichen Preisen. Kommt man in der Hauptstadt Andorra la Vella an, packt einen das blanke Entsetzen: eine einzelne schmale Straße quält sich durch den Ort, viel mehr als Schrittgeschwindigkeit ist nicht drin und links und rechts ein Laden neben dem anderen mit Alkohol, Tabak, Schmuck, Elektronik.... ich hab die erste Möglichkeit zur Umkehr genutzt und bin die schöne Strecke wieder zurückgefahren. Übrigens sollte man das mit den Zollbestimmungen ernst nehmen, die Kontrollen sind recht gründlich, stichprobenartig auch mal 50 km im französichen Gebiet.

 
Route des Corniches  
Eine schöne Strecke ist auch folgende:    
Die N 20 nach Norden in Richtung Foix, in Tarascon-sur-Ariege nach dem Dörfchen Bompas suchen und dort in die D 20 einbiegen, die auch Route des Corniches heißt. Diese verläuft dann parallel der N 20 wieder zurück nach Ax-les-Thermes, wo sie in die N 20 mündet. Der Reiseführer bezeichnet diese Strecke als eine der schönsten der Pyrenäen. Ich fand sie ganz nett, aber nicht den Brüller. Sie ist eng, also nichts für Knieschleifer.  
Nachdem die vier Tage in den französischen Pyrenäen um waren, hab ich mich südöstlich an Andorra vorbei in Richtung Spanien aus dem Staub gemacht.
     
Spanien    
Auf spanischem Gebiet bin ich erstmal der N260 gefolgt, in der Karte durchgehend "grün". Hinter La Seu d'Urgell, am Ort Adrall, auf der N260 geblieben, dazu muß man aber rechts abbiegen und ab da ist die Strecke auf der Karte gelb, es geht nun durch die Zentralpyrenäen.
Die Gegend wird zunehmend karger hier, dafür hat man kaum Verkehr auf der Straße. Der Straßenzustand ist auf den "gelben" Straßen wechselhaft. Mal denkt man, man ist auf einer "roten" unterwegs, dann wieder auf einem Waldpfad.
 
Irgendwann nach reichlich 600 km machte ich mich auf die Suche nach einer Unterkunft für die nächsten paar Tage. Mittlerweile war ich auf der A138 angekommen, die auf die französische Grenze zuführt und dort auf den Pic du Midi und den Col de Tourmalet.  
Hängengeblieben bin ich dann kurz vor Bielsa, im kleinen Hotel "Meson de Salinas". Ich bin dort dann drei Tage hängengeblieben und hab von da aus Tagestouren gemacht. Das Haus selbst ist nicht mit dem allerletzten Komfort ausgestattet, aber zum Übernachten nach einer Tagestour allemal ok. Alle Zimmer haben Toilette und Dusche, Fernseher stehen auch drin, der Wirt hat mir sogar ein paar deutsche Sender eingestellt. Das Essen ist für so ein kleines Haus richtig gut, das Frühstück wie überall dort eher spartanisch. Jedenfalls hab ich mich da sehr wohl gefühlt und werde da sicher nochmal hinfahren. Günstig ist es auch noch, im Juni hab ich so um die 30,- DM bezahlt.  
Col de Tourmalet  
Eines meiner Tagesziele dort war der Col de Tourmalet, bekannt aus der Tour de France. Man fährt die A138 über Bielsa und den Tunnel de Bielsa nach Frankreich. Dann folgt man der D929 bis "Arreau" und paßt auf, daß man die Abfahrt Richtung Col d'Aspin und eben Col de Tourmalet nicht verpaßt; es ist ausgeschildert, aber nicht eben ins Auge springend. Die Gegend und die Straßen sind wirklich schön, werden aber zwischendurch recht eng und verwinkelt, teilweise im ersten Gang durch die Kehren. Wie man da auch noch mit dem Fahrrad hochkommt, bekommt man von zahlreichen HobbyFahrern gezeigt.  
Auf dem Col d'Aspin in ca. 1500 m Höhe hat man einen Herrlichen Blick auf die Orte darunter.  
Fährt man weiter, muß man am Ort Ste-Marie-de-Campan in Richtung Col de Tourmalet abbiegen und bald ist man in 2115 m Höhe in herrlicher Umgebung, wo man in aller Ruhe (zumindest im Juni) die Seele baumeln lassen kann.  
Selbst im Juni liegen da noch Schneereste, genug, um Mini-Schneemänner zu bauen...
Was sonst noch ?    
Die restliche Zeit in den Hochpyrenäen bin ich einfach der Nase nach morgens irgendwo hingefahren und abends wieder zurück und nett wars eigentlich überall. Mal etwas engere, malerische Sträßchen, dann wieder größere zum schneller Fahren, aber fast immer mit sehr wenig Verkehr drauf.    
Rückfahrt    
Die Rückfahrt bestand aus zwei Etappen;
zunächst an einem Tag quer durch die Pyrenäen nach Osten an die Mittelmeerküste, wo ich in x zwei Tage am Meer ausgespannt hab.
Dann in zwei Tagen zurück nach Karlsruhe, im großen und ganzen über die gleiche Route wie auf der Hinfahrt.
   
Fazit ?    
Lasst es mich filigran ausdrücken: einfach geil ! Das mußte jetzt raus. Auf den Straßen kaum was los, wenn man etwas abseits der Hauptrouten fährt. Die Straßen selbst meistens in gutem bis sehr gutem Zustand, von den ganz kleinen mal abgesehen. Landschaftlich alles geboten, wobei überwiegend viel Grün zu sehen ist, erst richtig oben wirds etwas karger. Mag sein, daß ich es etwas verklärt sehe, weil es meine erste große Tour war und ich die Alpen noch nicht gesehen habe, aber ich kann die Pyrenäen jedem Moppedfahrer wärmstens empfehlen !    
...und wenn ich irgendwelche Fragen beantworten kann, nur zu !